Hutpfad

angelegt im 19. Jahrhundert zur Hut des Gemeindewaldes an den Abhängen des Schlüchttals.


Hutpfadkarte
Übersichtskarte zum Verlauf des Hutpfades
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Der Hutpfad, gerne umgangssprachlich auch doppelt gemoppelt als Hutpfadweg bezeichnet, ist heute ein attraktiver Wanderweg auf halber Höhe einer natürlichen Felsenschlucht mit eindrücklichen Landschaftsbildern und Aussichten ins Schlüchttal.

Geografie

Der Weg verläuft entlang des östlichen Abhanges des Schlüchttales in Nord-Süd-Richtung auf einer Höhe um 500 m ü. NN. In seinem Verlauf pendelt er zwischen rund 450 m ü. NN. und 580 m ü. NN. Er erstreckt sich von der Kreisstraße Gutenburg - Aichen im Süden bis zu einem Seitental des Schlüchttals, das aus dem Staatswald Distr. «Tannholz» ins Schlüchttal führt. Der Hutpfad folgt hier dem «Lochweg» ins Schlüchttal und endet im Norden auf 450 m ü. NN. Seine Gesamtlänge von gut 3,5 km wird durch den Verbindungsweg Aichen - Witznau in zwei Teile geteilt. Der südliche Teil von der Kreisstraße Gutenburg - Aichen hat eine Länge von rund 2,2 km.

Geschichte

Die Waldaufnahme des “Badischen Forstärars” aus dem Jahr 1845 zeigt noch keinerlei Pfad, dort, wo heute der Hutpfad verläuft. Tatsächlich wurde der Pfad erst zu Beginn des vierten Viertels des 19. Jhds. angelegt. Ein Protokollbuch das in der Ortschaftsverwaltung erhalten ist, liefert den historischen Beleg. Die Anlage des Hutpfades wurde auf dem Bechtelistag am 2. Januar 1876 von der Gemeindeversammlung beschlossen, was nun Jahre zurück liegt. Der Pfad diente ursprünglich der Waldhut im Gemeindewalddistrikt “Schlüchthalden”. Der Wald ging in Zuge der Säkularisierung der st.-blasischen Güter an die Gemeinde über, die nun für ihr Eigentum Sorge trug. Jährlich wurden unter anderem ein Nachtwächter, ein Feld- und Waldhüter bestellt. Im Protokollbuch der Gemeinde ist unter Punkt 7 des besagten Jahres vermerkt:

Die Anlegung eines Hutpfades im Gemeindewald Schlüchthalden hat Anton Hug ersteigert per laufenden Meter zu dreizehn Pfenig -:. 13 Pg.

Protokollbuchauszug 1876
Protokoll der Gemeindeversammlung vom ersten Werktag 1876 — Position Nr. 7.

Der Erbauer «Anton Hug» wird bereits 1860 als Wegwart im Amt mit einem Taglohn von 20 Kreuzer bestätigt. In den Folgejahren wird er bis 1878 als Wegwart bestätigt und amtet auch als Feldhüter, Mäusefänger u. dgl. Ob Anton Hug den Weg auch noch fertigstellen konnte, konnte bisher nicht geklärt werden, jedenfalls ist er bereits am ersten Weihnachtfeiertag des Jahres 1880 im Alter von nur 47 Jahren verstorben. Der Gesamtpreis für die Erstellung des Hutpfades belief sich, gemäß dem Gebot des Anton Hug von 13 Pfennig für den laufenden Meter von 1876 auf ca. 440 Mark. Sein Wegwartgehalt von 1876 belief sich zum Vergleich auf 70 Gulden pro Jahr was rund 120 Mark entsprach.

Anton Hug
Anton Hug im Jahre 1875
*5.1.1833 †25.12.1880
∞ Gertrud Rogg
Mutter: Anna Maria Isele
Vater: Martin Hug
für größere Darstellung bitte klicken
Schlüchthalden - Waldaufnahme des
Forstärars von 1845 - Ausschnitt

Beginn und Ende des Pfades erscheinen heute eher zufällig. Der Weg begann jedoch damals ziemlich genau an der Südgrenze der Gemarkung Aichen und endete etwa an deren Nordgrenze. Zumindest wurde der Hutpfad soweit realisiert und war bis in die 70-er Jahre des letzten Jahrhundert auch noch auf ganzer Länge begehbar. Gutenburg und Allmut bildeten damals eigene Gemarkungen, die erst in den 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts mit der Aichener Gemarkung zusammengelegt wurden. Gutenburg war damals zwar “eingemeindet”, hatte jedoch nahezu uneingeschränkte Selbstbestimmungsrechte. Ein Interesse den Weg nach Süden über Gutenburger Gemarkung zu führen bestand deshalb sicherlich nicht. Allmut hatte zu dieser Zeit zwar auch einen eigenen Stabhalter, war aber stärker, insbesondere kirchlich, mit Aichen verbunden und auch regulär am Bechtelistag beteiligt. Eine Weiterführung des Pfades im Allmuter Bereich des Gemeindewalddistriktes “Schlüchthalden” würde man eher erwarten. Evtl. ist der frühe Tod des Anton Hug dafür verantwortlich, dass der Pfad am Lochweg endet. Vorstellbar ist auch, dass der Staatswald “Tannholz” und die erschwerte Topographie von Allmut an nordwärts das Ende dieses Gemeindepfades am Lochweg begründeten. Unter Umständen kann hierzu aus noch ungesichteten Urkunden eine Klärung herbeigeführt werden. Auch die topografischen Karten zeigen den Pfad in der oben beschriebenen Ausdehnung.

Wie so oft, glauben auch bezüglich des Hutpfades manche Möchtegern-Geschichtsschreiber, Geschichte sein ein Wettbewerb von möglichst blühender Phantasie und schreiben z. B. “... der »Hutpfad«, benannt nach seiner Funktion als Verbindungsweg zwischen den Rittersitzen, ...”. Für solche Aussagen fehlen jegliche Belege und sie gehören ins Reich der Märchen und Dichtung.

Der Hutpfad heute

Der südliche Teil des Hutpfades ist inzwischen Teil des Fernwanderweges “Mittelweg” des Schwarzwaldvereines — Etappe 9 der westlichen Variante von Häusern nach Waldshut — und macht gut 8% der Etappe aus. Als Teil dieser Wanderverbindung wird seine Begehbarkeit durch regelmäßige Ausbesserungen gewährleistet. Der nördlich Teil des Hutpfades findet heute kaum noch Beachtung und ist entsprechend verfallen.

Der Einstieg in den Hutpfad an seinem südlichen Ende liegt bei km 1,8 der Kreisstraße, oberhalb der Schlüchtbrücke von Gutenburg auf knapp 500 m ü. NN. Nach gut 300 m Weglänge, überquert er den Elbachgraben, auch Elbichgraben genannt, auf ca. 450 m ü. NN.

Beginn des Hutpfades im Süden an der Kreisstraße 6556 zwischen Gutenburg und Aichen

 


Ergänzungen folgen.