Abgrund von Verwahrlosung

 
 
 

Untere Schlüchtbrücke in Gurtweil

 
 
 

Gurtweil verfügt seit jeher über die wegen ihrer Hochwassersicherheit wichtige Brücke beim Bruckhaus. Aber auch seit Jahrhunderten unterhält der Ort eine Brücke im sogenannten „Mühleloch“ zwischen „Mühlenwies“ und „Steigwiesen“. Da Brücken schon immer eine teure Angelegenheit waren, kann man davon ausgehen, dass der Bevölkerung diese Brücke früher schon sehr wichtig war, zumal diese von der ungebändigten Schlücht immer wieder zerstört wurde und die Haltbarkeit der Materialien früher sehr begrenzt war.

Gurtweil 1883 — Ausschnitt aus der Gemarkungskarte.

Um die Brücke dauerhafter und belastbarer zu erneuern stellte die Gemeinde im Jahr 1925, in einer Zeit großer Wirtschafts- und Währungskrisen, das Gesuch um wasserpolizeiliche Genehmigung zur Erstellung einer Brücke über die Schlücht. Die Brücke wurde als Bogenbrücke in Beton erstellt und diente dem Verkehr aller Art bis in die 80er-Jahre als vollwertige Brücke. Schon in den 70er-Jahren wurde der Brücke sogar noch eine Fußgängerbrücke in Holzbauweise direkt südlich zur Seite gestellt, die jedoch wegen banausenhafter Konstruktion nur wenige Jahre ihren Dienst tat. Inzwischen hatte eine Zustandsprüfung ergeben, dass die Tragkraft der Brücke für schwere Fahrzeuge nicht mehr ausreicht. Um sich vor den Kosten einer Sanierung oder Erneuerung der Brücke zu drücken hatte damals, nach der inzwischen erfolgten Gemeindereform, die Stadt einfach die Brücke für schwere Fahrzeuge gesperrt. Der Widerstand der Gurtweiler beschränkte sich damals für eine gewisse Zeit auf zivilen Ungehorsam einzelner Bürger, dann fügte sich die Ortschaft der Tatsache, dass die Stadt die Brücke verfallen lässt.

Untere Schlüchtbrücke nach der Vollsperrung — März 2020,
hinter dem Gitter die Schikane — vom Januar 2020.

Schließlich, nach weiteren 40 Jahren der Verwahrlosung hat die Stadt zu Beginn dieses Jahres eine Schikane für die Benutzung der Brücke auf der Westseite installiert. Nach Protest gegen diese Schikane wurde vom Oberbürgermeister die Statik als Grund angegeben, obwohl diese Maßnahme gerade mal die Brückenquerung, nicht einmal den Zugang, für die bisherigen Brückenbenutzer erschwerte. Erst eine Aufsichtsbeschwerde beim Regierungspräsidium, nicht die kolportierte Behauptung der Stadt eine Routineüberprüfung, verhinderte die Gefahr eines Morandi-Debakels in Gurtweil. Nun steht die Ortschaft Gurtweil wegen einer Politik des Totalversagens der Stadtverwaltung, des Gemeinderats und des Ortschaftsrats, die man nur in Bananenrepubliken wähnt, ohne diese wichtige Verbindung planlos da. Die Verantwortlichen spielen Überraschtheit vor, als würde eine Brücke nach fast 100 Jahren ohne jeden Service völlig unerwartet verfallen sein. Dieser Zustand ist umso kurioser, wenn man bedenkt, welche Gelder von der verpfuschten Stadthallensanierung bis hin zu clownesquen Stadtlogos ausgegeben werden und insbesondere, wie die Stadt zurzeit auf die Ressourcen der Ortsteile zugreift und die letzten innerörtlichen Grünflächen der Ortschaft Gurtweil als Bauland dem Naturhaushalt entzieht und für den Stadtsäckel versilbert, während um den Ort herum die Wälder buchstäblich verrecken!

Buchhalde — der Wald verreckt flächig und überall!.
 
  Waldshut-Tiengen — Gurtweil im März 2020
Gerhard Boll