Bauweise und Konstruktion Handwerkerhauses

Prälatenweg 1 in Gurtweil

 
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Inhaltsverzeichnis

Das Haus stammt aus einer Zeit in der Häuser fast ausschließlich entweder über dem Fundament oder spätestens über dem Erdgeschoss als Holzhaus erbaut wurden. Im Gegensatz dazu wurde das Handwerkerhaus sprichwörtlich bis zur Giebelspitze in Stein errichtet. Am Grunde sind die Mauern gut 75 cm stark und aus einer Mischung von Bruchsteinen und Findlingen mit Kalkmörtel vermauert. Dabei gibt es deutliche Anzeichen, dass das Gebäude unter Einbezug der Reste eines noch älteren Gebäudes errichtet wurde.

Der Gewölbekeller

Das Haus ist auf seiner überwiegenden Grundfläche nicht unterkellert, verfügt aber an der Nordwestecke über einen Gewölbekeller. Dies war noch im 18. Jahrhundert ein bemerkenswerter Luxus und eine große Ausnahme. Dabei hat der Gewölbekeller die Auffälligkeit, dass er aus dem Boden ragt, und die Oberfläche seines Gewölbes etwa 60 cm über dem Fußbodenniveau des Erdgeschosses liegt. Dies hatte die Vorteil, dass es Kosten sparte, den Anschnitt von wasserführenden Schichten vermied und durch die schiere Masse des Tonnengewölbes dennoch das gewünschte Kellerklima erzeugte. Einzelne bauliche Merkmale des Gewölbekellers passen nicht zur heutigen Form des Hauses, wofür zwei Erklärungen möglich sind. Entweder wurde der Anbau mit Wiederkehr nachträglich errichtet -dieser ist jedoch schon in den frühesten Nachweisen des Hauses zweifelsfrei zu erkennen-, oder das Haus wurde über einem älteren, mutmaßlich abgebrannten Haus erbaut, wobei der Keller und der untere Teil des Nordgiebels erhalten wurden.

Das Erdgeschoss

Das Erdgeschoss liegt heute ca. 20 cm in der Erde und war zum Zeitpunkt seiner Errichtung mindestens ebenerdig gestanden. Es verfügt über zwei große Werkstatträume auf der südlichen Hälfte des Hauses. Der Werkstattraum im Südwesten endete am überstand des Gewölbekellers, über dem ein niedriger Nebenraum angelegt war. Er hat heute noch einen großen doppelflügeligen Eingang von der „Dorfstraße”, heute vom Prälatenweg, her. Der südöstliche Werkstattraum war von Süden und von Osten her durch, für die damalige Zeit, große Fenster besonders gut belichtet. Vermutlich seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts ist das große Ostfenster jedoch zugemauert. Dieser Werkstattraum konnte sich, im Norden durch den Treppenaufgang etwas verjüngt, über die ganze Osthälfte des Hauses erstreckt haben oder durch leicht Wände aufgeteilt worden sein.
Unter der Wiederkehr auf der Westseite des Hauses befand sich im Erdgeschoss bis ins 20. Jahrhundert ein Stall. Am Wiederkehrgiebel, der Westseite des Stalles, war ein Futtergang angeschleppt, um den Stall für Großvieh nutzen zu können. Die Anschleppung wurde Mitte des 20. Jahrhunderts abgebrochen und die Öffnung mit Hohlblocksteinen zugemauert. Die Umrisse der anschleppung sind im Putz an der Außenwand noch heute zu erkennen. Handwerker insbesondere in Dörfern hatten immer nebenbei eine kleine Landwirtschaft um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Der Holzschopf ist in der ältesten Karte noch nicht vorhanden. Er taucht später mit geringerer baulicher Tiefe als heute in den Vermessungsplänen auf und nutz bis heute die damalige Kirchenmauer als Nordwand. In den Grundbucheinträgen ist zudem noch von einem gesondert stehenden Schweinestall die Rede, der noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts gestanden haben müsste.
Auch im Erdgeschoss gibt es bauliche Merkmale, die auf einen Einbezug älterer Bausubstanz oder einen Umbau schließen lassen.

Das Obergeschoss

Das Obergeschoss war ein repräsentatives Wohngeschoss, worauf die Fensteröffnungen schließen lassen. Die Südwestecke ist mit drei, relativ großen und nach innen mit Rundbögen überwölbten Fenstern ausgestattet, die ursprünglich nur einem Raum gedient haben können. Eine sinnvolle Aufteilung in zwei Räume, die sicherlich erst später vorgenommen wurde, ließe sich beim besten Willen nicht mit einem sinnvollen Grundriss verwirklichen. Die Südostecke mit zwei „großen” Fenstern, kann ebenfalls nur einem relativ großen Zimmer gedient haben. Heute umfasst das Zimmer noch ein kleines Fenster in der Mitte der Ostfassade, dessen ursprüngliche Bedeutung noch Rätsel aufgibt.
In der Nordwestecke lag seit jeher die Küche mit einem Durchgang zur oberen Etage der Scheune in der Wiederkehr auf der Westseite. Der Durchgang wurde, nach den verwendeten Ziegelsteinen zu schließen, in den 50-er Jahren zugemauert. Über der Küche liegt ein Schornstein, der auf einen früher vorhandenen offenen Kamin-Abzug schließen lässt. Die alten Bodendielen[1] des Dachgeschosses waren an der Unterseite entsprechend rußgeschwärzt, je näher sie am Kamin lagen. Die Dielen mussten inzwischen wegen ihres altersbedingten Zustandes gegen einen neuen Boden ausgetauscht werden. Die Kammer im Nordosten diente wohl der Vorratshaltung und später auch der Unterbringung von Sanitärfunktionen.

Das Dachgeschoss

Im Dachgeschoss ist die Substanz zwar unverändert, doch der Ausbau hat im Lauf der Geschichte ein paar Veränderungen erfahren. Schon seit jeher war das Dachgeschoss mindestens auf der Hälfte der Grundfläche ausgebaut. Davon zeugen die alten Wände in den Dachschrägen. Auf den ältesten Fotos ist auch zu erkennen, dass diese Räume nur kleine Fenster hatten, die späteren Ansprüchen nicht genügten. Der Kniestock und die Dachschrägen wurden als einfache, etwa 3 cm starke Bretterwände ausgeführt wobei lediglich ein Falz den Durchzug bremste. Die Decke der Dachräume wurde in der Form eines Zwischenbodens mit sichtbaren Balken gefertigt. Vor diese Bretterwände wurden in der Zeit der großen Nachkriegs-Flüchtlingsströme der 50-er Jahre des 20. Jahrhunderts neue Wände gesetzt, die aus einer Schicht Bretter und den ersten Gutexplatten bestanden. Die Fenster im Giebel wurden aufgeweitet und um das Dachgeschoss auch als provisorische Wohnung nutzen zu können wurde in der Ostdachfläche eine Gaube integriert, eine Plumpsklo eingebaut und eine Wasserleitung ins Dachgeschoss verlegt. Der Ostschornstein, der schon früher bestand, lag danach innerhalb der Gaube und diente für die Wärmeversorgung. Der Schornstein, der im westlichen Dachgeschoss aus dem Kamin der darunter liegenden Küche entspringt, ist offensichtlich im 19. Jh. erneuert worden.

Das Dach

Schornstein & Kamin


[1]   Die gewöhnlichen Häuser des 18. Jhs. oder früher hatten in der Regel nur Bodendielen, die gleichzeitig die Decke des darunter liegenden Geschosses bildeten. Erst ab dem 19, Jh. wurden Decken unter den Böden gebräuchlich.
[2]  

 

Literatur- u. Quellenliste

I. Handschriften

  1.  .
  2.  

II. Literatur

  1.  

III. Karten

  1.  
  2.